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Über den Tisch gezogen

Offener Brief des SPD Ortsvereins Amt Neuhaus an den Rat der Gemeinde Neu Darchau vom 15.04. 2011 zur Erhöhung der Fährpreise der Elbfähre "Tanja"

An den

Rat der Gemeinde Neu Darchau

Betr.: Fähre "Tanja"

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit einigem Erstaunen haben wir heute in der Schweriner Volkszeitung gelesen, dass der Rat der Gemeinde Neu Darchau eine Erhöhung der Fährpreise zum 1. Mai 2011 beschlossen hat. Eine Erhöhung, die mit 29% erheblich ist, auch wenn es, wie geschrieben, seit 20 Jahren keine mehr gegeben hat und der Gemeinde als Fährbetreiberin die Kosten für den Betrieb davonlaufen.

Es wäre nicht redlich von uns, gegen jegliche Erhöhung zu argumentieren angesichts steigender Diesel- Preise und Reparaturkosten.

Was uns aber zu diesem Offenen Brief veranlasst, ist die Art und Weise, wie die Bewohner des Amtes Neuhaus von dieser beachtlichen Preiserhöhung in Kenntnis gesetzt wurden. Und es ist der Umstand, das wir als Betroffene, sozusagen als "Geschäftspartner", in keiner Weise an dem Entscheidungsprozess beteiligt worden sind. Es hätte Ihnen als Rat und Verwaltung gut angestanden, das Thema Fährpreise zu einem die Menschen beiderseits der Elbe betreffenden zu machen. Das wäre auch möglich gewesen, ohne dass der demokratisch gewählte Rat auf der West- Seite der Elbe seine Autorität hätte in Frage stellen müssen. Mit den Neuhäusern sich vor Beschlussfassung an einen Tisch zu setzen, wäre ein schönes Zeichen von guten Beziehungen gewesen, die nicht nur als einseitige wirtschaftliche Einnahmequelle durch die Fähre Bestand haben sollten.

Wir wollen hier nicht den Verdacht äußern, dass es der Fährbetreiberin in erster Linie um wirtschaftliche Interessen geht, ihr, der es damals schneller als der gerade erst aus der DDR- Existenz hervorgegangenen Gemeinde Amt Neuhaus gelang, die Fährgerechtsame zu erlangen. Das ist bis heute großes Glück für die Westseite, die sogar derartige Gewinne mit dem Fährbetrieb einfährt, dass sie weit über die gesetzlich vorgeschriebenen Rücklagen von 76 000 € Gelder zur Verfügung hat, die sie an die Vergrößerung ihres Yachthafens denken lassen können. Die Gemeinde, so liest man, rechnet dabei mit einem Eigenanteil von mindestens 300 000 €. Donnerwetter, herzlichen Glückwunsch, dass sie derartige Überlegungen überhaupt anstellen können. Wie diese Rücklagen gebildet werden konnten, lässt sich gedanklich leicht nachvollziehen.

Aus unseren Zeilen klingt der Neid der Zukurzgekommenen? Ja, wohl auch. Aber viel schwerwiegender als der Mangel an finanzieller Manövriermasse am Ost ufer wiegt das Gefühl, über den Tisch gezogen worden zu sein- juristisch natürlich vollkommen legal. Wir gehören nunmal zum Landkreis Lüneburg, und wer künftig seine Kreisstadt mit dem Auto anfahren und dabei nicht über die viel preisgünstigere Fähre in Bleckede fahren will, der muß als Einzelperson 9 € hinlegen. Das der "Eintritt" in unsere Kreisstadt dieses Geld kostet, schert die Neu Darchauer im Landkreis Lüchow- Dannenberg offenbar nicht.

Dem Miteinander von "Hüben und Drüben" wird damit erneut schwerer Schaden zugefügt.

Besinnen Sie sich eines Besseren und verzichten Sie auf Preierhöhungen, solange der angesparte "Wegezoll" der Neuhauser Bürger nicht aufgezerrt ist. Oder soll am Neu Darchauer Yachthafen ein Denkmal für die vielen "unbekannten Neuhauser Geldgeber" errichtet werden?

Mit freundlichem Gruß

Der SPD Ortsverein Amt Neuhaus